"Fasenacht be ümme, für Kotteme un Frümme"

Die Historie der Kottenheimer Karnevalsgesellschaft 1913/14 e.V.

 

„Die heimliche Hauptstadt im rheinischen Karneval“ titelte die Rhein-Zeitung 1999 ihren Bericht vom bunten Treiben der Kottenheimer Jecken und bis heute hat sich daran nichts geändert. Woher der lange und vor allem erfolgreiche Atem in Sachen Traditionserhalt stammt, offenbart der Blick in die Vereinsvergangenheit: Bereits die Gründung der ersten Kottenheimer Karnevalsvereine resultierte aus einer tief im Herz der Kottenheimer verwurzelten Begeisterung für die „fünfte Jahreszeit“, die sich generationsübergreifend immer wieder Bahnen brach und für Ortsansässige gleichermaßen wie für Angereiste Jahr für Jahr einen Karneval der Extraklasse zustande brachte.      

 

Wann genau die ersten beschlossen kostümiert durch die Kottenheimer Gassen zu ziehen und ob es sich dabei wirklich schon um karnevalistische oder eher dem Theater verbundene Ambitionen handelte, ist heute leider nicht mehr rekonstruierbar. Erste Erwähnung findet das bunte Treiben in Kottenheim jedoch bereits Ende des 19. Jahrhundert.

 

Die „Närrischen Brüder 1913“

Die historisch dokumentierte Geburt der „Kotteme Fasenacht“ kann auf das Jahr 1912 datiert werden.

Im „Ale Haff“ bei einer Flasche „Appelwäin un zwei Döppe Schmant“ fanden sich im November einige aus dem Junggesellenverein entlassene „Ehemänner“ zusammen und beschlossen die Karnevalsgesellschaft „Närrische Brüder“ zu gründen. Die erste offizielle Versammlung fand am 27.01.2013 statt, weshalb später auch die Jahreszahl 1913 noch in den Vereinsnamen integriert wurde.

Bereits im Februar 1913 veranstaltete dieser neue Verein einen ersten Fastnachtszug, dessen Ausmaße mit zwei Wagen, einem Herold als Eselreiter und drei weiteren berittenen Narren noch deutlich bescheidener ausfiel als heutzutage, vom Publikum aber dennoch mit Begeisterung empfangen wurde.

 

Die „Große Kottenheimer Karnevalsgesellschaft 1914“

Da die „Närrischen Brüder“ zu Beginn ihres Vereinslebens beschlossen nur 30 Mitglieder aufzunehmen, das in Kottenheim entfachte Feuer für das närrische Treiben allerdings ein deutlich höheres Mitgliederpotenzial freilegt, gründete der Casionoclub „Jovialität“ Anfang 1914 die „Große Kottenheimer Karnevalsgesellschaft“, fortan als „GroKa“ bekannt. Deren bis heute erhaltener Wahlspruch „Allen Wohl und niemand weh“ hat den Kottenheimer Karneval stark geprägt.

Mit diesem Verein trat zum ersten Mal auch ein Prinz im Geschehen auf und der Fastnachtsumzug wurde bereits mit dem Attribut „prachtvoll“ versehen.

 

Der erste Weltkrieg und die Inflation setzten dem Karneval in den Folgejahre schwer zu und ließen ihn für eine Zeit hinter den Vorhang treten, doch bereits Anfang der 20’er Jahr belebte sich die „fünfte Jahreszeit“ von neuem. 1927 wurde zum zweiten Mal ein Prinz gekrönt.

 

Der zweite Weltkrieg kam und hinterließ Trümmer und Tote. Es galt Verluste zu betrauern und sich ein neues Dasein aufzubauen. Doch wie so oft im Leben, trug auch diese Distel eine Blüte. Vielerorts erwachte der Wunsch sich vom Alltag abzulenken und in Freude und Scherz die Kraft für dessen weitere Bewältigung zu sammeln. Kottenheim bildete davon keine Ausnahme und Karneval erlebt wiederum eine Renaissance. 

 

Die „Kottenheimer Karnevalsgesellschaft 1913/14 e.V.“

„Zusammen sind wir stark“ wäre aus heutiger Sicht wohl ein passender Slogan, denn am 10.02., dem Veilchendienstag des Jahres 1948, kam es in der Gaststätte „Zur alten Post“ zur historischen Versammlung, bei der aus den „Närrischen Brüdern 1913“ und der „GroKa 1914“ die „Kottenheimer Karnevalsgesellschaft 1913/14 e.V.“ (KKG) wurde.

Unter dem ersten Vorsitzenden Josef May (Jamako) und dem Elferratspräsident Josef Schild (Joschiko) erlebte Kottenheim 1949 den ersten Nachkriegsrosenmontagszug und damit den Beginn einer bis in die Gegenwart anhaltenden Erfolgsgeschichte.

Das Programm der Sitzungen steigerte sich von Jahr zu Jahr, ebenso das Erscheinungsbild der Rosenmontagszüge.  

 

1974 konnte die KKG erstmals die neu erbaute Turnhalle für die „Damensitzungen“ nutzen und das nebenan befindliche Jugendheim wurde zum Vereinsmittelpunkt ausgebaut.

 

Einen Höhepunkt der Vereinsgeschichte bildet die 1978 erfolgte Aufzeichnung einer Damensitzung für das dritte Programm des SWF. Bis heute sind der Verein und seine diversen Veranstaltungen immer wieder Gegenstand von Fernseh- und Rundfunkbeiträgen und damit auch über die Ortsgrenzen hinaus bekannt. 

 

Der spätere Bau des Bürgerhauses durch die Gemeinde Kottenheim verschaffte der KKG neue Möglichkeiten zur optimalen Durchführung ihrer Saalveranstaltungen, denn der Besucherandrang stieg zwischenzeitlich weiter an. Außerdem konnte damit zugleich die Ära der Maskenbälle in Form der „Rot-Weiß-Blauen Nacht“ wiederbelebet werden und durch den 2004 erfolgten Bau einer Wagenbauhalle, war es fortan auch möglich den Straßenkarneval bestmöglich vorzubereiten.

 

Belohnt wurde all dieser Einsatz u.a. mit dem 2007 in Kottenheim abgehaltenen RKK-Tag, wodurch die KKG für ein Jahr zum Herz des Karnevals wurde. Tausende Gäste und der damalige Ministerpräsident Kurt Beck als Schirmherr des RKK-Tages, waren zu Gast in Kottenheim und zeigten sich begeistert.

 

Ehrenmützenträger

Die Mitglieder der KKG schaffen es nicht nur Jahr für Jahr unvergessliche Sessionen zu gestalten, sondern stemmen dies im Gegensatz zu vielen anderen Karnevalsvereinen bis heute auch alles aus eigener Kraft. D.h. ob vor oder hinter den Kulissen, wer hier agiert ist von der KKG!

 

An engagierten Mitgliedern mangelt es der KKG daher glücklicherweise nicht. Unter diesen finden sich aber auch einzelne, deren Einsatzbereitschaft es besonders zu würdigen gilt. Daher ist es inzwischen eine närrische Tradition in Kottenheim, an verdiente Personen, die die „Kotteme Fasenacht“ unterstützt und gefördert haben, die Ehrenmütze der KKG zu verleihen.

 

Bisherige Träger sind:

  • Rudolf Weiler (+)
  • Toni Schüller (Ortsbürgermeister a.D.)
  • Heinz Otto Bähren (+)
  • Rolf Franzen (+)
  • Albert Berg-Winters (Landrat a.D.)
  • Dr. Alexander Saftig (Landrat)
  • Toni Becker
  • Helmut Lung
  • Benedikt Schäfer
  • Johannes Netz
  • Herman Nauert
  • Ulrike Nauert

 

Zum Ehrenpräsident des Elferrats wurde zudem der von 1988 bis 2000 im Amt befindliche Karl Gautsche ernannt.

 

Neben dem internen Engagement, ist die KKG -vertreten durch ihre Mitglieder- auch auf andere Art und Weise zur Stelle. Das die Karnevalisten nicht nur feiern, sondern auch an ihre Mitmenschen denken, kann man beispielsweise daran sehen, dass die KKG sich immer wieder an Gemeinschaftsaktionen beteiligt und Spenden zur Verfügung stellt, die den sozialen, kirchlichen und kulturellen Bereich in der Gemeinde Kottenheim und darüber hinaus unterstützen.

 

Symbol all dessen wofür die KKG steht ist die Fastnachtssäule. Ein 6,5 Tonnen schwerer Basaltstein, kunstvoll bearbeitet und verziert, der am „Platz der Kotteme Fasenacht“ unweit des „Ale Haff“ aufgestellt wurde, um die Standfestigkeit des Kottenheimer Karnevals in den Wirren der Geschichte zu demonstrieren und das Herzblut der Vereinsmitglieder zu dokumentieren und zu würdigen.

 

Mit Blick auf die Zukunft bleibt somit nur noch festzuhalten: Kottem Alaaf!

 

 

 

 

 

 

Quelle: „Fasenacht be ümme für Kotteme un Frümme – 100 Jahre KKG 1913/14 e.v.“ von Benedikt Schäfer

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